Endzeit – echt jetzt?

Einer verbreiteten Annahme nach leben wir gerade in der Endzeit, welche die Bibel ankündigt.

Wie man darauf kommt? Weil wir von Kriegen, Verfolgung, moralischem Verfall, Seuchen, Hungersnöten und Erdbeben hören und von antichristlichen Strömungen. Jesus nannte solche Ereignisse als den Anfang vom Ende.

Seine Prophezeihung ist eine der Säulen der Endzeitlehren.

Offenkundig waren aber schon die Autoren des Neuen Testaments davon überzeugt, sie stünden kurz vor dem finalen Showdown:

1. Korinther 10,11 Aus dem, was mit unseren Vorfahren geschah, sollen wir eine Lehre ziehen. Die Schrift berichtet davon, um uns zu warnen – uns, die wir am Ende der Zeit leben.

Jakobus 5,3 Denn ihr habt Reichtümer angehäuft, und das, obwohl wir am Ende der Zeit leben!

1.Petrus 1,20 Schon vor der Erschaffung der Welt war Christus als Opferlamm ausersehen, und jetzt, am Ende der Zeit, ist er euretwegen auf dieser Erde erschienen.

Hebräer 1,1-2 Viele Male und auf verschiedenste Weise sprach Gott in der Vergangenheit durch die Propheten zu unseren Vorfahren. Jetzt aber, am Ende der Zeit, hat er durch seinen eigenen Sohn zu uns gesprochen.

Fragt man die Lehrer vom heute nahenden Weltuntergang nach einer Erklärung, lautet ihre Antwort, die Endzeit begann vor 2000 Jahren und dauere bis heute an.

  • Wenn die biblischen Schreiber von Gott inspiriert waren, hat er sie bewusst in dem Irrtum gelassen, sie befänden sich in den letzten Tagen der Welt?

Wollte Gott die Menschheit 2000 Jahre lang in ständiger Spannung und Erwartung eines Weltuntergangs halten? Etwa damit seine erlösten Kinder sich zu allen Zeiten trotz aller Freiheit gut benehmen, aus ständiger Angst vor einem baldigen Ende? Tickt Gott so?

  • Wie kamen die Jünger eigentlich darauf, das Ende der Welt hätte zu ihrer Lebzeit begonnen?

Versetzen wir uns in ihre Zeit.

Gott hatte durch seine Propheten einen rettenden Messias versprochen, der einen neuen Bund schließen und ein neues Zeitalter einläuten werde. Jeder im Volk Israel kannte diese Verheißungen und erwartete deren Verwirklichung sehnlichst.

Jesus predigte, dieses neue Zeitalter sei nun am Start, die Rettung greifbar nah. Zeichen und Wunder folgten ihm, doch viele aus seinem Volk konnten das nicht glauben. Es entsprach nicht ihrer Vorstellung von einem Messias und einer neuen Welt.

Nach Palmsonntag ging Jesus ein letztes Mal in den Tempel. Er verwarnte die Pharisäer scharf für ihren Starrsinn und ihre Doppelmoral und er prophezeite ihr Gericht. Vor allem von Matthäus erfahren wir die Details in den Kapiteln 21, 22 und 23.

Als er den Tempel schließlich verließ, fragten die Jünger Jesus, wann dies alles geschehen werde? Und wie die imposante Schönheit des Tempels vergehen könne und mit ihm die Welt, die sie bis dahin kannten? Siehe Matthäus 24,1-3; Markus 13, 1-4; Lukas 21, 5-7

  • Beachte: das Wort für „Welt“ das manche Übersetzer hier gewählt haben, lautet im griechischen Urtext „Äon“, was wörtlich Zeitalter heißt. Die physische Welt im Sinne von Erdkreis oder Universum heißt „Kosmos“ und taucht ebenfalls in den griechischen Schriften auf. Aber in einem anderen Zusammenhang, wie du noch sehen wirst.

Jesus nannte seinen Jüngern eine Reihe Vorboten der kommenden Verwüstung. Und tatsächlich, die Autoren des Neuen Testaments sahen und erlebten diese und zwar exakt so, wie Jesus sie vorausgesagt hatte:

Hungersnöte : eine große Hungersnot kam über den ganzen Erdkreis unter Kaiser Klaudius (Apg.11,28)

Erdbeben : bei Jesu Tod (Matth. 27,54), bei Jesu Auferstehung (Matth. 28,2), als Paulus und Silas im Gefängnis waren (Apg. 16,26), in Pompeji 62 n. Chr.

Verfolgung und Drangsal (Apg. 8,1) Ab der Steinigung des Stephanus, etwa 3 1/2 Jahre nach Jesu Rede, begann die Verfolgung und Drangsal der Christen. Die erste Gemeinde wurde in alle Winde zerstreut. Durch ihre Vertreibung begann aber auch die Verkündigung des Evangeliums in der gesamten damalig bekannten Welt.

Verführer und Antichristen: Das Neue Testament gab es noch nicht, die Botschaft Jesu wurde durch mündliche Überlieferung verbreitet. Die Apostel wachten über die wahre Lehre und schrieben Briefe an die zerstreuten Christen: zur Unterweisung im Leben des Neuen Bundes und um kursierende Irrlehren zu entlarven. Damit schufen sie eine fundierte Basis für ihre gläubigen Zeitgenossen.

Die Briefe entstanden in den Jahren 40-68 n. Chr. Jesus hatte den Neuen Bund bereits geschlossen, aber im Tempel, dem Zentrum des Alten Bundes, ging alles weiter seinen gewohnten Gang. Die Priester vollzogen dieselben Riten, als wäre nichts geschehen. Es wurden immernoch Tiere geschlachtet, Opfer gebracht, nichts hatte sich geändert. Die Gläubigen fragten sich daher, ob die Gesetze des Alten Bundes, wie die Beschneidung, weiterhin galten oder ob ihnen mit dem Neuen Bund nun alles erlaubt sei, auch unreine Speisen und verdorbene Praktiken?

Es entstanden verschiedenste Lehren, vermischt mit Gerüchten und Irrglauben. Die Apostel gehen in ihren Briefen auf diese Themen ein und sie erwähnen Verführer, falsche Propheten und Antichristen, siehe 1.Joh. 4,1; 2,18; 2.Joh. 1,7

Kriege und Kriegsgerüchte: Israel war jenerzeit Teil des Römischen Reiches. Im Jahr 30, als Jesus Kriege prophezeite, herrschte noch Frieden, die Pax Romana. Es war die glanzvolle Hoch-Zeit des Römischen Reiches. Doch bald nach Christi Himmelfahrt brachen immer mehr Unruhen im Land aus. Immer häufiger kam es zu großen Aufständen und im Jahr 66 brach der verhängnisvolle jüdische Krieg aus.

Abfall und moralische Verdorbenheit : Der jüdische Historiker Flavius Josephus (*38 – 100 n. Chr.) schildert unfassbare Gräuel in Jerusalem, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Er erlebte, wie Tausende entsetzlich an Hunger starben, in jeder Familie stritt man sich bis aufs Blut um den letzten Krümel. Er berichtet von einer Mutter aus sehr gutem Haus, welches von Tyrannen komplett geplündert worden war, die ihren eigenen Säugling tötete und sich zum Essen briet. Sie wurde sogleich erwischt, weil der Geruch von gebratenem Fleisch für die verhungernden Soldaten sofort zu riechen war.

Flavius Josephus beschrieb in seinem Werk „Jüdische Kriege“ den Zustand seines eigenen Volkes: „Nie hat je eine andere Stadt solche entsetzliche Leiden erduldet, und nie war ein Geschlecht von Anbeginn der Welt fruchtbarer an Freveln. Ergänze dieses Bild durch die grausamen Verfolgungen die im Gange waren und in denen Christen von Juden und Römern gefoltert wurden. Außerdem verfielen viele Menschen falschen Messiassen, Propheten und Lehrern. Das war eine furchtbar irregeführte und korrupte Generation. Wenn wir uns der geistlichen und moralischen Zustände jener Zeit bewusst sind, können wir die neutestamentlichen Passagen die vor Spöttern und bösen Menschen am Ende warnen, durchaus nachvollziehen.“  Zitiert aus dem Buch „Siegreiche Eschatologie“ Seite 327

– Die Tage werden verkürzt : Jesus sagte nicht, die Zeit werde dann schneller vergehen als früher. Jesus meint damit, dass Gott in seiner Gnade den Gerichtsprozess kurz halten wird. Gott hat die Tage der großen Bedrängnis auf das notwendige Minimum reduziert und zog die Trübsal nicht unnötig lange hin, weil Gott kein Sadist ist. Er ist gerecht und hält sich an seine Zusagen, auch im Gericht seines eigenen Volkes.

Der eine wird genommen, der andere zurückgelassen : Die Römer verbreiteten Furcht und Schrecken unter dem Volk, indem sie willkürlich von Zweien den einen nahmen und massakrierten, den Zweiten aber zurück zu seinen Leuten schickten, mit der Anweisung denen zu berichten, was er gesehen hat.

 – Sonne, Mond und Sterne verfinstern sich, sie fallen, die Kräfte des Himmels werden erschüttert : Sonne, Mond und Sterne symbolisieren im jüdischen die Ordnung der Welt, denn sie definieren Tag und Nacht, sie regeln Ebbe und Flut, Arbeitszeiten, Feste Monate und Jahreszeiten.

Denke an Josef, der träumte, wie Sonne, Mond und Sterne sich vor ihm verneigten. Das traf auch ein, jedoch nicht im wörtlichen Verständnis, sondern gemäß der Symbolik. Sein Vater der Patriarch, seine älteren Brüder, ganz Ägypten, auch die Regierung, verbeugten sich eines Tages vor Josef.

Wenn in prophetischen Worten die Elemente des Himmels erschüttert werden, bedeutet es, die Regierung, die Hüter der Ordnung eines Landes kommen massiv ins Wanken, ein Umsturz naht.

Wie dies im 1. Jahrhundert eingetreten ist, kann jeder in der Geschichte nachlesen. Im Jahr 69 spitzte sich die politische Lage auch auf römischer Seite zu: ein Herrscherkopf nach dem anderen rollte, es war das 4-Kaiserjahr.

Desweiteren wurden Ende der 60er Jahre außergewöhnliche Phänomene registriert. Flavius Josephus berichtet von einem Meteoriten, einem Schwert gleichend, der über dem Nachthimmel von Jerusalem hing, für ein ganzes Jahr.

Und er berichtet, in der Nacht vor einem Fest der ungesäuerten Brote erschien um den Altar, den Tempel und den umliegenden Gebäuden herum ein Licht, dem Tag gleich für etwa eine halbe Stunde lang.

– Das Evangelium wird in der ganzen Welt verkündet, allen Nationen und Stämmen, dann kommt das Ende : Die Bibel wird seither in immer mehr Sprachen übersetzt. Bald wird sie in jeder Nation und Sprache verfügbar sein. Steht dieses Kennzeichen der Endzeit als letztes etwa noch aus und liegt somit doch in unserer heutigen Zukunft?

Nein, auch dieses Vorzeichen hat sich gemäß der Bibel bereits erfüllt:

Römer 1,8 Abfassungszeit ca. 56 nach Christus: Aufs erste danke ich meinem Gott durch Jesum Christum euer aller halben, dass euer Glaube verkündigt wird in der ganzen Welt (griechisch: Kosmos!)

Römer 10,18  »Überall auf der Erde ist ihre Stimme zu hören; ihre Botschaft ist bis in die entlegensten Gebiete der Welt gedrungen

Kolosserbrief 1,6 Abfassungszeit ca. 60-62 nach Christus: in dem Worte der Wahrheit des Evangeliums, das zu euch gekommen, so wie es auch in der ganzen Welt ist, und ist fruchtbringend und wachsend,… V. 23 wenn ihr anders in dem Glauben gegründet und fest bleibet und nicht abbewegt werdet von der Hoffnung des Evangeliums, welches ihr gehört habt, das gepredigt worden ist in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist.

Nach Weltanschauung der biblischen Verfasser ist das Evangelium überall auf der Welt, allen damals bekannten Nationen verkündet worden. Sogar in Spanien, England, Afrika und Indien, das waren die Enden der damaligen Welt. Sicherlich kennen wir heute mehr Länder und Kontinente als die Menschen im 1.Jahrhundert. Aber die Adressaten dieser Briefe sind die Gläubigen im 1.Jahrhundert und nicht wir.

Wenn ihr den „Greuel der Verwüstung“ stehen seht, dann sollen die in Judäa sind in die Berge fliehen: ein praktischer Tipp, den die Christen befolgt haben. Als es soweit war, flohen sie auf den Berg Pella und überlebten dort den infernalischen Untergang, berichten historische Quellen.

Betet, dass eure Flucht nicht im Winter oder am Sabbat geschieht: ebenfalls ein praktischer Tipp, der den Menschen der damaligen Zeit in Palästina gegolten haben muss. Am Sabbat waren nur kurze Strecken erlaubt, daher wäre es äußerst ungünstig, bei der Flucht ausgerechnet von den strengen Hütern des Alten Gesetzes erwischt zu werden.

Jesus schließt seine Rede mit den Worten:

Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. Jesus meint die aktuelle Generation, über die er im Jahr 30 spricht. Eine Generation umfasst nach jüdischem Verständnis 40 Jahre.

Die Verfasser des Neuen Testaments brauchten zur Bestimmung Endzeit also nur kurz zu rechnen: Jesus hatte unmittelbar vor seiner Kreuzigung das Ende der herrschenden Ära vorausgesagt und dass der jüdische Tempel innerhalb der aktuellen Generation fallen würde, bis zum letzten Stein. Die Gnadenfrist bzw. Gnadenzeit konnte ab Jesu Rede also maximal 40 Jahre dauern.

Sowohl Petrus als auch Paulus, Johannes und Jakobus haben alle diese Vorzeichen persönlich erlebt und definierten so die Endphase des Zeitalters. Sie, die Apostel lebten zweifellos in den letzten Tagen.

1. Johannes 2,18 Kinder, die letzte Stunde ist da. Ihr habt ja gehört, dass vor dem Ende ein Gegenchristus kommt, der Antichrist, und inzwischen sind, wie es dieser Ankündigung entspricht, viele solche Christusfeinde aufgetreten. Daran erkennen wir, dass die letzte Stunde angebrochen ist.

Darum die drängenden Worte in manchen ihrer Briefe. Liest du zum Beispiel den Brief an Timotheus, dann versetze dich in die Lage von Paulus: die Verfolgung der Christen hatte er anfangs selbst forciert und später am eigenen Leib erlebt. Gefangenschaft, Hungersnöte und Erdbeben hatte er durchgemacht. Das Evangelium war überall auf der Welt verkündet worden, durch sein tatkräftiges Mitwirken. Er hat mit ansehen müssen, wie falsche Lehren aufkamen, Menschen vom Glauben abfielen und ihn allein ließen. Im Jahr 66 war der jüdische Krieg angebrochen.

Was also rät Paulus im Jahr 67 einem jungen Mann? Siehe 2. Brief an Timotheus 3,1-5: Bleibe in dieser gefährlichen Zeit fern von Opportunisten, Narzissten, Verrätern, Ungeistlichen, Lieblosen, Verleumdern. Hüte dich vor schlechtem Einfluss, bleibe nüchtern! Tritt vielmehr vehement für die rettende Botschaft Jesu ein! Es ist Fünf vor Zwölf, die Lage spitzt sich noch weiter zu, es bleibt nicht mehr viel Zeit! Die Welt steht kurz vor der Abrechnung Gottes und dem endgültigen Zusammenbruch dieser Weltzeit!

Fazit:

  • Die Jünger fragten Jesus nicht nach dem Untergang unseres Planeten. Nachdem er den Pharisäern in den Kapiteln zuvor sein Gericht angekündigt hatte, fragten sie ihn, wann dies geschehen und der Tempel bis auf den letzten Stein fallen werde.
  • Alle Vorzeichen der biblischen Endzeit haben sich ausnahmslos in den Jahren 30 – 70 des 1. Jahrhunderts erfüllt. Dass wir heute ähnliche Szenen sehen, liegt nicht daran, dass dieser Planet bald untergehen wird.

  • Die praktischen Tipps Jesu gelten zweifellos den Menschen der damaligen Zeit. Für uns hier und heute wären sie eher nutzlos.
  • Die biblischen Schriften sind nicht an dich persönlich im 21. Jahrhundert formuliert worden. Sie gelten den direkten Adressaten vor 2000 Jahren. Du und ich können daraus aber hervorragend Schlüsse auf Gottes Wesen ziehen. Auch für uns bilden sie die schriftliche Basis unseres Glaubens. Wir erkennen durch sie, was Gott wichtig ist, wofür sein Herz schlägt und was er hasst.   

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