Das Zeichen des Tieres – eine Prägung, ein Chip oder ein Serum?

Immer wieder neue Mythen ranken sich nun seit Jahren um das Malzeichen aus dem Buch der Offenbarung. Als Johannes schrieb, dass die Ereignisse, die er in einer Vision gesehen hatte, sich bald zutragen werden, welche Zeit könnte er damit gemeint haben? Hatte er möglicherweise einen Blick in das 21. Jahrhundert geworfen? Analsysieren wir, was schwarz auf weiß geschrieben steht!

Das „Malzeichen des Tieres“ nennt Johannes in folgenden Versen:

Kap. 13,16-17 Und es bringt alle dahin, die Kleinen und die Großen, und die Reichen und die Armen, und die Freien und die Sklaven, dass man ihnen ein Malzeichen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn gibt; und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, als nur der, welcher das Malzeichen hat, den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens. Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666.

Kap. 14,9-11 Und ein dritter Engel folgte ihnen, der sprach mit lauter Stimme: Wenn jemand das Tier und sein Bild anbetet und das Malzeichen auf seine Stirn oder auf seine Hand annimmt, so wird auch er trinken vom Wein des Grimmes Gottes, der unvermischt im Kelch seines Zornes bereitet ist; und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit; und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht, die das Tier und sein Bild anbeten, und wenn jemand das Malzeichen seines Namens annimmt.

Kap. 15,2 Und ich sah etwas wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermischt; und die, welche als Überwinder hervorgegangen waren über das Tier und über sein Bild und über sein Malzeichen, über die Zahl seines Namens, standen an dem gläsernen Meer und hatten Harfen Gottes.

Kap. 16,2 Und der erste ging hin und goss seine Schale aus auf die Erde; da entstand ein böses und schmerzhaftes Geschwür an den Menschen, die das Malzeichen des Tieres hatten und die sein Bild anbeteten.

Kap. 19,20 Und das Tier wurde ergriffen und mit diesem der falsche Prophet, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen, und die sein Bild anbeteten; die beiden wurden lebendig in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt.

Kap. 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und das Gericht wurde ihnen übergeben; und [ich sah] die Seelen derer, die enthauptet worden waren um des Zeugnisses Jesu und um des Wortes Gottes willen, und die das Tier nicht angebetet hatten, noch sein Bild, und das Malzeichen weder auf ihre Stirn noch auf ihre Hand angenommen hatten; und sie wurden lebendig und regierten die 1.000 Jahre mit Christus.

Wann schrieb Johannes die Offenbarung und an wen?

Er schrieb die Offenbarung im 1. Jahrhundert, an reale Gemeinden in der Provinz Asia, darin sind sich alle Theologen einig.

Viele christliche Lehrer datieren das Buch auf Ende der 90er n. Chr. Wie sie darauf kommen? In Kapitel 1,9 steht, dass Johannes sich auf der Insel Patmos befand und es historische Hinweise gibt, dass Johannes unter der Herrschaft Domitians zwischen 81 und 96 ins Exil nach Patmos geschickt worden sei.

Tatsächlich liegen aber auch historische Dokumente vor, laut denen Johannes viel früher auf Patmos gewesen sein muss. Unter den frühesten Versionen des Neuen Testaments befinden sich beispielsweise syrische Übersetzungen, gemäß denen er von Nero (Kaiser von 54-68 n. Chr.) nach Patmos verbannt worden war. 

In Kapitel 11 steht, wie Johannes beauftragt wurde, den Tempel in Jerusalem zu vermessen. Zu jenem Zeitpunkt muss der Tempel noch existiert haben, andernfalls hätte Johannes die erst kürzlich zurückliegende Zerstörung zumindest erwähnt. Schließlich hat dieser Supergau des Holocaust und Vernichtung aller Heiligtümer die Israeliten traumatisiert und das Judentum bis heute fundamental verändert. Somit ist anzunehmen, dass er die Offenbarung vor dem Jahr 70 geschrieben hat.

Wann sollen die Ereignisse im Buch der Offenbarung eintreten?

Das Buch der Offenbarung beginnt mit den Worten

1,1-3 Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss; und indem er sie durch seinen Engel sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi bezeugt hat, alles, was er sah. Glückselig, der liest und die hören die Worte der Weissagung und bewahren, was in ihr geschrieben ist! Denn die Zeit ist nahe.

Die Offenbarung endet mit Kapitel 22 und in Vers 6 heißt es

Und er sprach zu mir: Diese Worte sind gewiss und wahrhaftig, und der Herr, der Gott der Geister der Propheten, hat seinen Engel gesandt, seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss.

Das Wort, das mit „bald“ übersetzt wird, ist gleichbedeutend mit „in Kürze“. Hätte Johannes sich damit geirrt, würde dies seine Glaubwürdigkeit und die des Buches doch stark in Frage stellen.

Der Apostel Johannes lässt an keiner Stelle vermuten, dass seine geschilderten Ereignisse, Warnungen und Verheißungen sich an eine Leserschaft in ferner Zukunft richten. „Bald“ muss ein naher Zeitpunkt für den Schreiber Johannes und für seine direkten Adressaten gewesen sein, welches gläubige Zeitgenossen waren.

Kap. 22,10 Und er spricht zu mir: Versiegle nicht die Worte der Weissagung dieses Buches! Denn die Zeit ist nahe.

Die direkten Empfänger von Johannes Niederschrift konnten die Botschaft demnach entschlüsseln, auch ohne Eschatologie-Seminar einer theologischen Fakultät.

Ist das „Tier“ ein System oder ein Geist?

Johannes schrieb, dass die Zahl des Tieres der Name eines Menschen ist und sich aus dem Namen die Zahl 666 ergibt. 666 weist also nicht auf die Nummer eines Patents hin, auch nicht auf einen Zahlencode in einem Computerprogramm:

Kap. 13,18 Hier ist die Weisheit. Wer Verständnis hat, berechne die Zahl des Tieres! Denn es ist eines Menschen Zahl; und seine Zahl ist 666.  

Johannes verwendete eine damals gebräuchliche Codierung, in der Zahlen als Buchstaben verwendet werden. Folgende gematrische Aufschlüsselung zeigt, dass der Zahlenwert Neros nach der hebräischen Schreibweise zum Code „666“ passt:

N = 50
R = 200
W = 6
N = 50
Q = 100
S = 60
R = 200

Warum verschlüsselte Johannes den Namen des Tieres? Nun, er selbst und auch seine Adressaten wurden von den Römern verfolgt. Den Namen Nero in einem solchen Kontext unchiffriert zu nennen, hätte sie alle in größte Gefahr gebracht.

Kaiser Nero hatte einen bestialischen Charakter, seine Gräueltaten sind zahlreich belegt. Er hat Familienangehörige getötet, darunter seine Eltern und seine schwangere Frau, die er zu Tode getreten hat.

Nero war ein Tyrann und Sodomit. Christen ließ er kreuzigen, er ließ sie in Tierfelle nähen und von Hunden zerreißen. Er ließ Christen mit Teer überziehen und ließ sie als Fackeln anzünden, zum Beispiel für seinen Garten, während er dort dinierte. Manchmal verkleidete er sich selbst als wildes Tier und vergewaltigte und ermordete Gefangene.

Offenbarung 13 ab V 5 sagt aus, dass dem Tier 42 Monate Macht gegeben wurde, gegen die Heiligen zu wirken. Die Verfolgung Neros gegen die Christen begann Mitte November 64 und ging bis zu einem Tod Anfang Juni 68 n.Chr. Das sind dreieinhalb Jahre oder 42 Monate.

Wusstest du, dass auch die Heiligen ein Malzeichen tragen?

Das Buch der Offenbarung hat erstaunlich viele Parallelen zum Buch Hesekiel. Beide Bücher thematisieren die Heiligkeit und Herrlichkeit Gottes, sie kündigen Gericht an über Jerusalem und seine Bewohner und beide Propheten verheißen auch Wiederherstellung.

Offenbarung 13 hat eine Entsprechung in Hesekiel 8 und 9. Auch dort wird ein Malzeichen erwähnt. Das Mal in Hesekiel kennzeichnet die Getreuen Gottes. In Offenbarung hat das Zeichen eine umgekehrte Bedeutung, es markiert die Getreuen des Tieres.

Eine Kennzeichnung an der Stirn für die Erwählten Gottes findet sich auch im Buch der Offenbarung:

Kap. 7,3 Tut der Erde und dem Meer und den Bäumen keinen Schaden, bis wir versiegeln die Knechte unseres Gottes an ihren Stirnen.

22,4 und sie werden sein Angesicht sehen; und sein Name wird an ihren Stirnen sein.

Das Zeichen Gottes und das Zeichen des Tieres werden in der Bibel gleich häufig erwähnt. Wenn nun das Zeichen des Tieres physisch, haptisch zu verstehen wäre, müsste es dann nicht konsequenterweise beim Zeichen Gottes ebenso etwas Physisches, Haptisches sein? 

Offenbarung 13,16 sagt aus, das Zeichen wird auf bzw. in die rechte Hand gesetzt. Im Griechischen gibt es keine grammatikalische Unterscheidung für „in“ und „auf“, es ist dasselbe Wort.

„In“ heißt aber auch nicht hinein, also das Malzeichen wird nicht in die rechte Hand hinein gepflanzt, ebenso wenig in die Stirn hinein.

Physische Malzeichen in der Antike

Wusstest du, dass Markierungen an Menschen als Zeichen ihrer Zugehörigkeit in der Antike nicht ungewöhnlich waren?

Diese Zeichen oder Male dienten zur öffentlichen Bekundung, wem man sich unterwarf. Bei Sklaven zum Beispiel.

Oder Eheleuten (ist ein Witz).

Die römischen Kaiser ließen sich wie Gott verehren. Auch Nero hat hohe Statuen von sich bauen und anbeten lassen. In Ephesus hat man Inschriften gefunden, die Nero als „Allmächtigen Gott“ und „Retter“ titulieren.

Städte in der Antike hatten einen zentralen Platz, die Agora, welche neben gesellschaftlichen, religiösen und sportlichen Funktionen auch Handelszentren waren. Wer die Agora betreten wollte, musste dem regierenden Herrscher huldigen. Dazu verneigte man sich vor der Statue des Kaisers, gab dem Priester am Räucheraltar Geld und bekam als Bestätigung dafür etwas Asche vom Altar auf die Stirn oder die rechte Hand. Dieses Zeichen berechtigte das Betreten der Agora und somit zum Kauf und Verkaufen von Waren. 

Resümee:

– Die Ereignisse aus dem Buch der Offenbarung müssen bald nach ihrer Niederschrift eingetreten sein. Andernfalls wären Johannes und seine Schriften mit der mehrfachen Ankündigung „in Kürze“ und „die Zeit ist nahe“ kaum glaubwürdig.

– Das Zeichen des Tieres aus dem Buch der Offenbarung hatte einen direkten Bezug auf einen realen Menschen, dessen Name sich für die Adressaten mit der Zahl 666 berechnen lassen musste. (Off. 13,17)

– In der Bibel findet sich das Zeichen bzw. Siegel Gottes ebenso häufig wie das Zeichen des Tieres. Wäre ein solches Zeichen bzw. Siegel etwas Haptisches, müsstest du es mit deinen körperlichen Sinnen bei dir selbst oder bei anderen Gläubigen wahrnehmen können.

Persönliches Fazit

Ich erlebe, wie Christen gelähmt werden durch verschiedentliche Vermutungen über einen bald kommenden Antichristen, die Endzeit, Epidemien, Kriegen und jedwede Trübsal.

Zum einen lähmt sie die Angst vor der Zukunft ihrer Mitmenschen, zum anderen vermitteln diese Lehren ihnen das Gefühl, nichts unternehmen zu dürfen, weil Gott das Eintreten bereits fest und unabwendbar für unsere Zukunft beschlossen hat.

Ich persönlich glaube, Gott hat keinen Gefallen am Verderben des Gottlosen, siehe Hesekiel 18,23; 18,32, 33,11

Und ich glaube an einen Gott, der es schätzt, wenn seine Leute sich für andere einsetzen, um sie ringen, wie Abraham und Mose.

Ich glaube nicht, dass Gott Menschen verwerfen wird, weil sie Maßnahmen ergreifen, die sie zum gesundheitlichen Schutz für sich selbst und/oder andere sehen.

Ich glaube nicht, dass davon die Rede ist, wenn es in Offenbarung 13 heißt „so wird auch er trinken vom Wein des Grimmes Gottes, der unvermischt im Kelch seines Zornes bereitet ist; und er wird mit Feuer und Schwefel gequält werden vor den heiligen Engeln und vor dem Lamm. Und der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit;

Ich glaube vielmehr, Gott will, dass allen Menschen geholfen wird, indem sie durch Jesus Christus in eine versöhnte Beziehung zum himmlischen Vater finden, gemäß 1.Timoteus 2. 

Ich glaube, dass die persönliche Haltung zu Gott und der Glaube in Jesus Christus als alleinigen Mittler dafür entscheidend sind, in welche Zukunft man geht.

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