Schlachtopfer – ist Gott blutrünstig?

Kannibalen, Lustig, Kartoffeln, Messer, Gabel, Essen

Hast du dich je gefragt, warum Jesus bei der Kreuzigung so schlimm leiden musste? Hätte es nicht einen leichteren Weg gegeben, die Menschheit mit Gott zu versöhnen? Warum verlangte Gott Blutvergießen? Und wozu ist Jesus auferstanden?

  • Wozu verlangte Gott Opfer? Ist er so blutrünstig?

Diese Frage entspringt einem heidnischen Verständnis von „Sühne“ und „Sühnopfer“.

Im griechischen Urtext steht das Wort „Hilasmos“ und es bedeutet, einen zornigen König oder Gott mit einer Gabe zu besänftigen. Dies war in der Antike gängige Praxis und ist es mancherorts noch bis heute. Menschen bringen Göttern Korn, Tiere und sogar Kindsopfer, in der Hoffnung, ihre launenhaften Götter milde zu stimmen und dadurch die eigene Zukunft zu sichern.

Ganz anders war es in der Beziehung mit Jahwe. Die Israeliten brachten ihm zwar auch Korn, Gebäck und Tiere als Opfergaben, doch taten sie dies aus einem völlig anderen Grund!

Als die Schriften des Alten Testaments ins Griechische übersetzt wurden, hatte man für „Sühne“ das Wort „Hilasmos“ gewählt, weil es das ähnlichste Wort war, das im Griechischen existierte. Nur stimmt die Bedeutung nicht überein mit dem biblischen Konzept von Sühne und Versöhnung.

Die Idee, menschliches Versagen mit dem Blutvergießen von Rindern, Tauben oder Ziegenböcken wieder gutmachen zu können, ist eher absurd.

Einen grimmigen Gott zu besänftigen war nie Jahwes Idee von Opfern. Es sollten keine Entschädigungszahlungen für begangene Schuld sein, kein Versuch sich freizukaufen oder seinen Zorn für eine Weile zu beschwichtigen.

Welchen Zweck hatten die Opfer?

Dem Opfergedanken liegt folgendes Verständis zugrunde: Man gibt etwas Kostbares, im Vertrauen, etwas Höheres zu erwirken. Neues entsteht durch Opfer. Ein Saatkorn muss sterben, damit Ähren daraus wachsen. Bäume müssen beschnitten werden, damit sie Frucht bringen.

So auch beim Menschen von der Zeugung an. In der Schwangerschaft opfert eine Mutter einen Teil ihrer selbst für das Leben des Kindes, manchmal unter Gefahr ihres eigenen Lebens. Sie vertraut darauf, dass durch eigenen Verzicht etwas Neues, Bedeutungsvolles heranwächst. Sie gibt sich für jemanden hin, der es noch besser haben soll, als sie selbst und der sie höchstwahrscheinlich auch überleben wird.

Als die Israeliten im Alten Bund die Erstlingsgaben Gott weihen sollten, war dies ein Akt des Glaubens. Sie konnten ja nicht wissen, ob sie danach noch mehr ernten und ob sie danach noch weitere Kinder bekommen würden. Man ging mit der wertvollen Gabe ein Risiko ein, im Vertrauen darauf, etwas Größeres, von mehr Bedeutung zu gewinnen.

Die Menschen im Altorient ernährten sich in der Regel von Agrarwirtschaft. Sie pflanzten Korn, Gemüse, Obst, Wein. Kam ein besonderer Gast, wurde ihm zu Ehren das Beste aufgetischt und das war möglichst Fleisch. Die Schlachtung eines Tieres war ein Zeichen von Freundschaft und Ehrerbietung. Das gemeinsame Mahl festigte die Beziehung. Es erneuerte bzw. bekräftigte auch das Bundesverhältnis, siehe 2.Mose 29,38-46. Dies war der tatsächliche Grund für die Opfer.

Das hebräische Wort für Opfer bedeutet „sich nähern/ annähern, sich nahe sein“.

In Jesaja 59,2 heißt es „eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört.

Ungelöste Konflikte erzeugen Rückzug und Funkstille. In Folge von Reue und als Zeichen der Wiederannäherung brachte man Speisen zum Haus Gottes und Gott seinerseits vergab die Schuld. Somit kamen beide Bundespartner wieder zusammen und feierten an dieser Festtafel bzw. dem Altar ihre Versöhnung.

Es war nicht das Tier, der Ritus oder das Blut welches die Versöhnung freisetzte. Es war schlicht der Glaube daran, dass Gott ihnen vergeben würde, wenn sie ihre Schuld zugaben und sich ihm wieder annäherten.

Die Israeliten wurden also bereits im Alten Bund durch Glauben gerettet und nicht durch Opfer.

Das Opferritual war lediglich eine Demonstration der Wiedervereinigung.

  • Wozu ließ Jesus sich quälen, beschimpfen und schlagen? Ein schmerzloser Tod wie bei den Opfertieren hätte doch gereicht?

Absolut!

Jesus hätte auch ohne grausames Leiden die Welt mit Gott versöhnt!

Gemäß den Satzungen des Alten Bundes hätte zur Wiedervereinigung ein kurzer, schmerzloser Tod Jesu vollkommen gereicht. Nirgends ist vorgeschrieben, ein Opfertier solle geschlagen, beschimpft, ausgepeitscht, verlästert oder sonst einer Weise gequält werden. Opfertiere tötete man mit einem kurzen Kehlenschnitt.

Wozu dann diese grausame Folterung?

Mit dem Leiden hat Jesus einen Sonderbonus erwirkt!

Er gab seinem Bundespartner Gott, was der verlangte und Jesus empfing, was der Bundespartner ihm schenkte. Es fand ein Tausch statt: Jesus nahm Scham, Krankheit, Schuld, Leid, Sorge auf sich und gab sie dem Vater, dafür empfing er im Tausch Ehre, Heil, Freiheit, Gerechtigkeit und Frohsinn.

Die Schlachtung von Opfertieren des Alten Bundes brachte keine Heilung.

Gott heilte manche dennoch, doch nicht gemäß dem mosaischen Bund, er heilte aufgrund seiner Persönlichkeit. Wie sein Name Jahwe Rapha schon sagt – er heilt einfach gern!

Jesus ließ sich quälen, damit wir im Neuen Bund heil sein können. Siehe 1.Petrus 2,24 durch seine Wunden seid ihr geheilt worden.

Nicht zu verwechseln mit „gesund“. Ein Wort für Gesundheit im physischen Sinne, wie bei uns, gibt es im Hebräischen nicht. Heilsein heißt, wieder ganz, unversehrt, vollständig zu sein. Es entspricht einem ganzheitlichen Wohlergehen an Seele, Geist und Körper.

Heil sein ist ein Neuer-Bund-Bonus, den Jesus im Tausch für sein Leiden erwirkt hat.

Jesus starb, damit wir leben können. Er wurde arm, damit wir reich würden. Er trug Scham, damit wir nicht länger in Scham und Schande bleiben müssen, siehe 2.Korinther 8,9

Jesus wurde verflucht, damit wir im Segen sind.  

Im Alten Bund lag es am eigenen Betragen und an dem der Vorfahren, ob man gesegnet oder verflucht war. Im Neuen Bund sind wir bereits gesegnet, weil nämlich Christus den Segen für uns erwirkt hat.

Im Neuen Bund können wir nicht von Gott verflucht werden, da es im Neuen Bund keinen Fluch gibt. Der Neue Bund enthält als Antwort auf Schuld Vergebung.

Viele Christen vermischen den Alten und Neuen Bund. Sie meinen im Neuen Bund zu leben, erwarten jedoch wie im Alten Bund den Segen als Gottes Reaktion auf erbrachte Leistungen. Und sie erwarten, dass Gott sie straft, wenn sie sündigen.

Im Neuen Bund sind wir bereits ohne Vorleistung gesegnet. Wir tun deshalb Gutes, weil wir es können. Weil wir als Neue Kreaturen dazu fähig sind. Wir können gerecht handeln, weil wir gerecht gesprochen sind. 

  • Wozu ist Jesus auferstanden?

Schuldopfer des Alten Bundes blieben tot. Wäre Jesus gestorben, aber nicht auferstanden, wäre unsere Schuld also trotzdem vergeben. Sein Tod hätte zur Versöhnung vollkommen genügt.

Doch ohne seine Auferstehung wären wir weiterhin dieselben Menschen!

Am Versöhnungstag feierte man die Vergebung der Schuld, doch sie waren weiter gefangen in alten Mustern. Das Gesetz und die Opfer erinnerten sie an ihre Mangelhaftigkeit. Hebräer 10,1-4

Als Jesus aus dem Grab stieg, machte er uns zu etwas Neuem.

Hätte er das nicht getan, wären wir bis an unser Lebensende Gefangene unserer ungesunden Verhaltensmuster.

Im Neuen Bund, im Einswerden mit Christus und seiner Auferstehung können wir unsere Gesinnung erneuern. Seine Auferstehung ist unsere Freiheit! Wir können endlich tun, was vortrefflich ist.

Paulus beschreibt dies ausführlich in Römer 7-8

7, 18b-19 Es fehlt mir nicht am Wollen, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun. Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht will.

Dies war der menschliche Zustand vor dem Neuen Bund.

V24 Ich unglückseliger Mensch! Gibt es denn niemand, der mich aus dieser tödlichen Verstrickung befreit?

Doch! Und dafür danke ich Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.

8, 3-4 Das Gesetz des Mose war dazu nicht imstande. Es scheiterte am Widerstand unserer Natur. Deshalb hat Gott seinen eigenen Sohn gegen die Sünde in die Welt geschickt. Er kam in der gleichen Gestalt, wie sie die Menschen haben, die im Widerspruch zu Gott leben, und machte der Sünde in der menschlichen Natur den Prozess. Damit kann jetzt die Rechtsforderung des göttlichen Gesetzes in uns erfüllt werden, und zwar dadurch, dass wir uns nicht mehr von unserer Natur, sondern vom Geist Gottes bestimmen lassen.

Die Auferstehung Jesu ermöglicht, unsere alte Natur zu überwinden und neu zu beginnen.

Unabhängig davon, wie hoch der Schaden durch Verletzungen ist und wie schwerwiegend unser eigenes Versagen war.

Fazit:

  • Opfer sind ein Akt des Vertrauens, etwas Höheres zu erwirken
  • Die Juden opferten nicht zur Besänftigung eines zornigen Gottes, sie drückten damit ihre Wiederannäherung zu Jahwe aus. Opfer veranschaulichten ein Festmahl zur Versöhnung der Bundespartner.
  • Nicht die Opfergabe oder der Ritus stellten die Beziehung wieder her, sondern allein der Glaube an Gottes Treue.
  • Zur Versöhnung mit Gott hätte auch ein kurzer, schmerzloser Tod Jesu genügt. Doch sein Leiden und kostbarer Verzicht erwirkten für uns zusätzlichen Gewinn.
  • Durch seine Auferstehung macht Jesus aus uns neue Menschen, die fähig sind, ihre Natur zu überwinden und ein Leben in Gerechtigkeit zu führen.

4 Antworten auf “Schlachtopfer – ist Gott blutrünstig?”

  1. „Dem Opfergedanken im Allgemeinen liegt folgendes Verständis zugrunde: Man gibt etwas Kostbares im Vertrauen daran, etwas Höheres zu erwirken. Neues entsteht durch Opfer.“ Dem Opfergedanken im Allgemeinen liegt folgendes Verständis zugrunde: Man gibt etwas Kostbares im Vertrauen daran, etwas Höheres zu erwirken. Neues entsteht durch Opfer“ wie kommst du zu dieser Aussage? Ich finde sie im Alten Testament nicht begründet. Im Neuen Testament auch nicht.

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  2. Johannes 3,16 „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
    Aus meiner Sicht ergibt sich daraus, dass Gott seinen Sohn opferte (= etwas Kostbares geben), damit Menschen wieder eine versöhnte Beziehung zu ihm haben können und auf ewig mit ihm leben (= für ein höheres Ziel, Gewinn).

    Ebenso investiert ein Bauer Energie, Zeit und Saatgut, um mit der Ernte Nahrung, Lebensqualität und Fortbestand für die Seinen und sich selbst zu erwirken.

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