Ist Gott wirklich blutrünstig?

Hast du dich je gefragt, warum Jesus bei der Kreuzigung so schlimm leiden musste? Hätte es nicht einen leichteren Weg gegeben, die Menschheit mit Gott zu versöhnen? Warum verlangte Gott Blutvergießen? Und zu welchem Zweck ist Jesus auferstanden? Er hätte doch auch einfach so ins Jenseits entschwinden können?

1) Wozu waren Opfer notwendig? Ist Gott so blutrünstig?

Diese Frage entspringt unserem Verständnis von „Sühne“ und „Sühnopfer“. Es resultiert aus unserer Prägung und der Bedeutung des Wortes im griechischen Urtext. Da steht nämlich das Wort „Hilasmos“. Es findet ich z.B. in folgenden Bibelstellen: Römer 3,25; Hebräer 2,17; 1.Johannes 2,2 ; 4,10

Die Bedeutung vom griechischen Wort „Hilasmos“ ist einen zornigen König oder Gott mit einer Gabe zu besänftigen. Dies war in der Antike und ist mancherorts bis heute gängige Praxis in heidnischen Kulturen. Menschen bringen den Göttern Korn, Tiere oder gar Kindsopfer, in der Hoffnung damit die eigene Zukunft zu sichern.

Dem war aber keineswegs so der Bundesbeziehung mit Jahwe! Die Israeliten brachten ihrem Gott zwar auch Korn, Gebäck und Tiere als Opfergaben dar, doch taten sie dies aus einem völlig anderen Grund!

Als die Schriften des Alten Testaments ins Griechische übersetzt wurden, hatte man für „Sühne“ das Wort „Hilasmos“ gewählt, weil kein anderes griechisches Wort zur Wahl stand. Es war das ähnlichste Wort, das im Griechischen existierte, doch es trifft in seiner Bedeutung nicht das biblische Konzept von Sühne und Versöhnung.

Einen grimmigen Gott zu besänftigen war nie die Idee von Opfern für Jahwe. Es waren keine Entschädigungszahlungen für begangene Schuld, kein Versuch sich freizukaufen oder Jahwes Zorn für eine Weile zu beschwichtigen.

Die Idee, menschliches Versagen mit dem Blutvergießen von Rindern, Tauben oder Ziegenböcken wieder gutmachen zu können, ist eher absurd.

Welchen Zweck hatten nun die Opfer?

Dem Opfergedanken im Allgemeinen liegt folgendes Verständis zugrunde: Man gibt etwas Kostbares im Vertrauen daran, etwas Höheres zu erwirken. Neues entsteht durch Opfer. Ein Saatkorn muss sterben, damit Ähren daraus wachsen. Bäume müssen beschnitten werden, damit sie Frucht bringen.

So auch beim Menschen, von der Zeugung an. In der Schwangerschaft opfert eine Mutter einen Teil ihrer selbst für das Leben des Kindes, vor allem früher auch unter eigener Lebensgefahr. Sie vertraut darauf, dass durch eigenen Verzicht etwas Neues, Bedeutungsvolles heranwächst. Sie gibt sich für jemanden hin, der es noch besser haben soll als sie selbst und der sie höchstwahrscheinlich auch überleben wird.

Als die Israeliten im Alten Bund die Erstlingsgaben Gott weihen sollten, war dies ein Akt des Glaubens. Sie konnten ja nicht wissen, ob sie danach noch mehr ernten und ob sie danach noch weitere Kinder bekommen würden. Man ging mit der wertvollen Gabe ein Risiko ein, im Vertrauen darauf, etwas Größeres, von mehr Bedeutung zu gewinnen.

Die Menschen im Altorient ernährten sich in der Regel aus ihrer Agrarwirtschaft. Sie pflanzten Korn, Gemüse, Obst, Wein. Kam ein besonderer Gast, wurde ihm zu Ehren das Beste aufgetischt und das war möglichst Fleisch. Die Schlachtung eines Tieres war ein Zeichen von Freundschaft und Ehrerbietung. Das gemeinsame Mahl festigte die Beziehung. Es erneuerte bzw. bekräftigte auch das Bundesverhältnis, siehe 2.Mose 29,38-46. Dies war der tatsächliche Grund für die Opfer.

Das hebräische Wort für Opfer lautet „korban“ und bedeutet „sich nähern/ annähern, sich nahe sein“. Worin bestand die vorherige Distanz?

In Jesaja 59,2 heißt es „eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört.

Wir kennen das von ungelösten Konflikten, vielmals reagieren wir darauf mit Rückzug und Funkstille. In Folge der Reue und als äußerliches Zeichen der Wiederannäherung brachte der Schuldige Speisen zum Haus Gottes und Gott seinerseits vergab die Schuld. Somit kamen beide Bundespartner wieder zusammen und feierten an dieser Festtafel bzw. dem Altar ihre Versöhnung.

Es war daher nicht das Tier, der Ritus oder das Blut, das Versöhnung freisetzte. Es war schlicht der Glaube daran, dass Gott als Bundespartner ihnen vergeben würde, wenn sie sich ihm wieder annäherten und ihre Schuld zugaben.

Die Israeliten wurden also bereits im Alten Bund durch Glauben gerettet und nicht durch die Opfer. Das Opferritual demonstrierte die Wiedervereinigung.

2.) Warum hat Jesus als Schlachtopfer so viel Pein erlitten?

Gott gebot den Israeliten, dass sie am Großen Versöhnungsfest ein Tier schlachteten und mit dessen Blut die Bundeslade besprengten, welche die Gesetzestafeln enthielt, die bei Verschulden den Tod forderten. Das Blut veranschaulichte die Erneuerung des Bundesverhältnisses.

Den Ablauf des Versöhnungsfestes hatte Gott detailliert vorgegeben, die Einzehlheiten finden wir im Alten Testament. Was wir darin aber nirgends finden ist, dass je ein Opfertier geschlagen, beschimpft, ausgepeitscht, verlästert oder in sonst einer Weise gequält wurde.

Opfertiere wurden mit einem kurzen Schnitt durch die Kehle getötet.

Wir finden auch keine Stelle, die beschreibt, wie ein geschlachtetes Opferlamm wieder auferstanden wäre.

Gemäß den Satzungen des Alten Bundes hätte also zur Wiedervereinigung zwischen Gott und Menschen ein kurzer, schmerzloser Tod Jesu vollkommen gereicht.

Jesus hätte die Welt auch dann mit Gott versöhnt, wenn er nicht gelitten hätte und auch dann, wenn er nicht auferstanden wäre.

Wozu ließ Jesus sich dann so schrecklich quälen, beschimpfen und schlagen?

Jesus hat nicht nur den Alten Bund abgelöst und einen neuen Bund geschlossen, er hat im Zuge dessen auch noch ein extra Bonuspaket für uns gepackt. Die Idee ist ein Tausch.

Als Bundespartner geben wir das, was der Bundespartner von uns verlangt und wir empfangen, was der Bundespartner uns im Gegenzug schenkt. Im Klartext: wir geben Scham, Krankheit, Leid, Sorge und empfangen von ihm alle Gaben, die er am Kreuz dafür erwirkt hat.

Die Schlachtung von Opfertieren enthielt zwar Versöhnung, implizierte jedoch keine Heilung. Die Bibel beschreibt zwar, dass Gott Menschen dennoch heilte. Doch tat er dies nicht aus Verpflichtung, sondern aufgrund seiner Persönlichkeit. Einer der Charakterzüge Gottes ist im Namen Jahwe Rapha, „der Gott der heilt“.

Jesus ließ sich quälen, damit wir heil sein können. Siehe 1.Petrus 2,24 durch seine Wunden seid ihr geheilt worden

Heil zu sein gemäß hebräischem Verständnis bedeutet, ganz, unversehrt, wieder vollständig zu sein.

Es gibt kein ein hebräisches Wort für Gesundheit in unserem Sinne. Es gibt ein Wort für Wohlergehen. Heilung meint nicht rein physisch den Körper, sondern ein das Heilsein umfasst gleichermaßen Seele, Körper und Geist. Mit einer geheilten Seele heilen auch körperliche und geistliche Beschwerden, denn sie sind Eins.

Heil zu sein ist ein Bonus, den Jesus erwirkt hat durch den Tausch seines Leiden.

Und Heilung ist nun auch Teil dessen, was wir durch den neuen Bund erleben dürfen.

Siehe 2.Kor. 8,9 Jesus wurde arm, damit wir reich würden. Er trug Scham, damit wir nicht länger in Scham und Schande bleiben müssen.

Jesus starb, damit wir leben können und er wurde verflucht, damit Segen für uns freigesetzt wird. 

Im Alten Bund waren Menschen gesegnet oder verflucht, je nach ihrem Betragen. Im Neuen Bund sind wir bereits gesegnet, noch bevor wir etwas erwirken können, weil nämlich Christus den Segen für uns bereits erwirkt hat.

Im Neuen Bund können wir nicht von Gott verflucht werden, da es im Neuen Bund keinen Fluch gibt. Der Neue Bund enthält bei Schuld lediglich Vergebung.

Viele Christen vermischen den Alten und Neuen Bund. Sie meinen, sie leben im Neuen Bund, erwarten jedoch gleichzeitig, dass sie dann Segen empfangen, wenn sie sich entsprechend verhalten. Und sie erwarten, dass Gott sie straft, wenn sie sündigen.

Im Neuen Bund jedoch sind wir bereits gesegnet, und wir tun bereits Gutes, weil wir als Neue Kreaturen dazu fähig sind. Wir können gerecht handeln, weil wir gerecht gesprochen sind. 

3.) Warum ist Jesus Christus dann auch noch auferstanden?

Am Versöhnungstag wurde gefeiert, dass Gott die Schuld vergeben hatte. Doch die Gesinnung der Menschen blieb weiterhin verdorben und die Opfer erinnerten sie daran. Hebräer 10,1-4

Am Kreuz starb Jesus für das, was wir als Sünder waren. Der Zweck seiner Auferstehung war die Einführung des Lebens als Neue Kreatur.

Er selbst ist der Erste der neuen Schöpfung. Wäre Jesus als Schuldopfer gestorben, aber nicht auferstanden, wäre unsere Schuld vergeben, doch wir wären weiterhin derselbe alte Mensch. Als Jesus aus dem Grab stieg, machte er uns zu etwas Neuem. Hätte er das nicht getan, würden wir weiterhin bis ans Lebensende in ungesunden Verhaltensmustern gefangen bleiben. Im Neuen Bund, im Einswerden mit Christus wird unsere Gesinnung erneuert und gereinigt, und das ist es, was uns endlich frei macht.

Paulus beschreibt dies ausführlich in Römer 7-8

7, 18b-19 Es fehlt mir nicht am Wollen, aber ich bringe es nicht fertig, das Gute zu tun. Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Böse, das ich nicht will.

V24 Ich unglückseliger Mensch! Gibt es denn niemand, der mich aus dieser tödlichen Verstrickung befreit? Doch! Und dafür danke ich Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.

8, 3-4 Das Gesetz des Mose war dazu nicht imstande. Es scheiterte am Widerstand unserer Natur. Deshalb hat Gott seinen eigenen Sohn gegen die Sünde in die Welt geschickt. Er kam in der gleichen Gestalt, wie sie die Menschen haben, die im Widerspruch zu Gott leben, und machte der Sünde in der menschlichen Natur den Prozess. Damit kann jetzt die Rechtsforderung des göttlichen Gesetzes in uns erfüllt werden, und zwar dadurch, dass wir uns nicht mehr von unserer Natur, sondern vom Geist Gottes bestimmen lassen.

Die Auferstehung Jesu Christi ermöglicht es, ein neues Leben zu beginnen und über unsere alte Natur hinwegzukommen. Unabhängig davon wie schwer der Schaden durch Verletzungen und eigenes Versagen war.

Fazit:

  • Opfer sind ein Akt des Vertrauens, etwas Höheres zu erwirken
  • Die Juden opferten nicht zur Besänftigung eines zornigen Gottes, sondern waren Ausdruck der Wiederannäherung des Sünders zu Jahwe und veranschaulichten ein Festmahl zur Versöhnung der Bundespartner.
  • Nicht die Opfergabe oder Ritus stellten die Beziehung wieder her, sondern der Glaube an Gottes Treue.
  • Zur Versöhnung der Menschen mit Gott hätte auch ein kurzer, schmerzloser Tod Jesu genügt. Doch sein Leiden und kostbarer Verzicht erwirkten für uns Heil und Gewinn.
  • Durch seine Auferstehung macht Jesus aus uns neue Menschen, die fähig sind, ihre Natur zu überwinden und ein Leben in Gerechtigkeit zu führen.

4 Antworten auf “Ist Gott wirklich blutrünstig?”

  1. „Dem Opfergedanken im Allgemeinen liegt folgendes Verständis zugrunde: Man gibt etwas Kostbares im Vertrauen daran, etwas Höheres zu erwirken. Neues entsteht durch Opfer.“ Dem Opfergedanken im Allgemeinen liegt folgendes Verständis zugrunde: Man gibt etwas Kostbares im Vertrauen daran, etwas Höheres zu erwirken. Neues entsteht durch Opfer“ wie kommst du zu dieser Aussage? Ich finde sie im Alten Testament nicht begründet. Im Neuen Testament auch nicht.

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  2. Johannes 3,16 „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
    Aus meiner Sicht ergibt sich daraus, dass Gott seinen Sohn opferte (= etwas Kostbares geben), damit Menschen wieder eine versöhnte Beziehung zu ihm haben können und auf ewig mit ihm leben (= für ein höheres Ziel, Gewinn).

    Ebenso investiert ein Bauer Energie, Zeit und Saatgut, um mit der Ernte Nahrung, Lebensqualität und Fortbestand für die Seinen und sich selbst zu erwirken.

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