Wie Familie Noah die Menschheitsgeschichte prägte

Die Bücher Mose schildern die Ereignisse und wesentlichen Details, die den Verlauf der Menschheitseschichte eklatant geprägt haben. Der Zeitpunkt, zu dem sie verfasst wurden, war nachdem Gott die Israeliten aus der jahrhundertelangen Sklaverei Ägyptens gesammelt hatte und sie zu einem Volk formte, um sie in Einmütigkeit und Eintracht in ihre neue Heimat zu führen. Gott beauftragte damals Mose mit der Niederschrift der fundamentalen Ereignisse, vom Anbeginn der Schöpfung und der Menschheit, bis zu dem Punkt, wo sie gerade waren. Die eigene Geschichte zu kennenzulernen, zu verstehen, wie man zu dem wurde, was man ist, war für die entwurzelten Israeliten substanziell wichtig. Der Geschichtsbericht diente ihnen zur Klärung ihrer Herkunft und zur Bildung ihrer gemeinsamen Identität.

Nach der Sintflut startete Gott das Abenteuer Menschheit und Schöpfung auf der Erde nochmals neu durch, mit der Familie Noahs. In Kapitel 8 wird das Ende der Flut beschrieben und die Menschen aufs Neue die Erde betraten. Lesen wir darin, wie Gott zu Noah sagt:

V. 16 Geh aus der Arche, du und deine Frau, deine Söhne und die Frauen deiner Söhne mit dir.  … V. 18 So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne

Fällt es dir auf? Gott gab Noah die Reihenfolge vor, in der sie die Arche verlassen sollten: Zunächst Noah mit seiner Frau, dann die Söhne mit ihren Frauen. In Vers 18 heißt es indessen, dass Noah mit seinen Söhnen heraustrat und dann seine Frau und die Schwiegertöchter.

Wie dem auch sei, als diese acht Menschen nach der Sintflut aus der Arche auf die Erde traten, empfingen sie als erstes den Segen und Zuspruch Gottes.

Gott schloss einen ewigen Gnadenbund mit Familie Noah, allen Nachkommen und jedem lebenden Wesen, und er versprach, dass nie wieder sämtliches Leben auf Erden vernichtet würde. Gott bekräftigte auch die Rhythmen von Saat und Ernte, Hitze und Frost, sowie Sommer und Winter.

Bis zur Sintflut hatte es auf der Erde nicht geregnet und gleich der erste Regen hatte alles Lebendige auf der Erde vernichtet, ausgenommen der Arche. Damit von nun an weder Familie Noah, noch sonstwer beim Auftauchen von finsteren Regenwolken den Weltuntergang kommen sieht, setzte Gott zur Erinnerung an seinen ewigen Bund und seine Zuneigung den farbenfröhlichen Regenbogen in den Himmel. Siehe 1.Mose 9,1-17

V18-19a Und die Söhne Noahs, die aus der Arche gingen, waren Sem und Ham und Japhet. Und Ham, das ist der Vater Kanaans.

Dass an dieser Stelle Kanaan erwähnt wird, als einziger der 16 Enkelsöhne Noahs, das kam so:

V. 20-27 Und Noah, ein Landmann, begann auch Weinberge zu pflanzen. Und er trank von dem Wein und wurde betrunken und lag entblößt im Innern seines Zeltes. Und Ham, der Vater Kanaans, sah die Blöße seines Vaters und berichtete es seinen beiden Brüdern draußen. Da nahmen Sem und Jafet das Obergewand und legten es beide auf ihre Schultern und gingen damit rückwärts und bedeckten so die Blöße ihres Vaters; ihre Gesichter aber hielten sie so rückwärtsgewandt, dass sie die Blöße ihres Vaters nicht sahen. Und Noah erwachte von seinem Weinrausch und erkannte, was sein jüngster Sohn ihm angetan hatte. Und er sprach: Verflucht sei Kanaan! Ein Knecht der Knechte sei er seinen Brüdern!

Tatsache ist, die Bibel enthält Euphemismen, also abmildernde, verharmlosende oder verhüllende Ausdrücke für Heikles oder Anstößiges. Im Hebräischen heißt „jemandes Blöße sehen/aufdecken“ weniger das Sehen von Nacktheit und bedeutet auch kein Tabu oder Prüderie. Vielmehr umschreibt es oft ein sexuelles Vergehen. Das Fehlverhalten Hams bestand demnach nicht lediglich im Sehen seines nackten Vaters, seine Tat muss derart schändlich gewesen sein, dass Noah  einen Fluch aussprach. Doch nicht über Ham, sondern über Kanaan, Hams jüngsten Sohn.

Warum fluchte Noah nicht dem Übeltäter direkt? Nun, zum einen war Ham, wie alle anderen Mitglieder der Familie, persönlich von Gott gesegnet worden, und wer von Gott bereits gesegnet ist, das war Noah klar, der kann von Menschen nicht verflucht werden. Noah wendete das im jüdischen bekannte Prinzip an, von der Strafe nach der Weise des Vergehens: Ham, Noahs jüngster Sohn, hatte sich an seinem Vater schuldig gemacht, daher verfluchte Noah dessen jüngsten Sohn. Und das war Kanaan.

Leider wurde diese Bibelstelle noch bis ins 18. Jhdt. dafür missbraucht, die Sklaverei von Afrikanern mit Noahs Fluch zu rechtfertigen. Dabei übersah man

  • dass lediglich Kanaan es war, den Noah zum Dienen verflucht hatte, und nicht Ham.
  • entspricht es gar nicht der Gesinnung Gottes, dass Menschen andere Menschen herabwürdigen, denn jeder Mensch hat seine Würde als Abbild Gottes.
  • war inzwischen längst Jesus Christus gekommen, damit durch ihn sämtliche Flüche und Verdammnis gebrochen werden.

Doch zurück zu 1.Mose 8. Laut V. 19b ist die Erde von Noahs Söhnen Sem, Ham und Japhet bevölkert worden.

Sem bedeutet in Hebräisch „Name“ und er hatte fünf Söhne s. 1.Mose 10, ab V.21 Von ihm stammen die Aramäer, Assyrer, Chaldäer, Elamiten und Lydier, sie gelten als die semitischen Völker.

Japhets Name bedeutet im Hebräischen „schön“, je nach Betonung auch Weite oder ausbreiten. Japhets sieben Söhne gelten als Urväter der Indoeuropäer. Sie siedelten sich an in Asien vom Taurus/Amanus bis zum Fluß Tanais (Don) entlang Europa bis Cadiz (Südspanien). Von Gomer stammen die Galater, Gallier, von Magog die Skythen, die Einwohner Südrusslands und der Ukraine, von Madai stammen die Meder (Iran), von Javan die Ionier also Griechen, von Tubal die Iberer, evtl. Kelten, von Meschesch die Kappadozier (zentrales Kleinasien) und von Tiras die Thraker (Bulgarien).

Ham bedeutet im Hebräischen „heiß“, ihm werden insgesamt die afrikanischen Völker zugeordnet. Seine Söhne und deren Nachfahren sind Kusch (Äthiopien), Misrajim (Ägypten), Put (Libyen) und Kanaan (Palästina). Von Kanaan stammten auch die moralisch verdorbenen Sodomiter und Gomorra s.1.Mose 10,19

Zusammengefasst: Sem gilt als Urvater der Völker des Nahen Ostens, die Indoeuropäer und Asiaten sind Nachfahren Japhets und die Afrikaner sind Nachfahren Hams. Diese Völkertafel mag inzwischen überholt sein, schließlich ist seither viel geschehen, doch zum Zeitpunkt ihrer Niederschrift war sie Stand der Dinge und brandaktuell. Die direkten Adressaten waren ja nicht wir heute, sondern es waren die Israeliten vor etwa 3.500 Jahren. Wir heute können aus der Schrift geistliche Rückschlüsse ziehen, indem wir den historischen und kulturellen Kontext berücksichtigen. Damit weiter zu Noahs Segnung seiner Söhne:

1.Mose 9,26-27a Und er sprach: Gepriesen sei der HERR, der Gott Sems; und Kanaan sei sein Knecht! Weiten Raum schaffe Gott dem Jafet, und er wohne in den Zelten Sems

Wie wir heute nachvollziehen können, entstanden die ersten Kulturen in den Siedlungsgebieten der hamitischen und semitischen Völker, Ägypten und Mesopotamien. Doch die Perser, also Japhetiten, setzten mit der Eroberung Babyloniens und Ägyptens den hamitischen und semitischen Großreichen ein Ende. Nach den Persern übernahmen dann die Griechen und später die Römer die Vorherrschaft, ebenfalls Nachfahren Japhets.

Die Japhetiten nahmen den größten Raum weltweit ein. Nicht nur breiteten sie sich räumlich am weitesten aus, noch bis heute dominieren sie in Sprache, Kultur, Technologie, Wissenschaft und Kunst. Europa, China, Russland und die USA beherrschen das Finanzsystem und die weltweite politische Macht. Die hamitischen Völker hingegen sind in der Geschichte immer mehr zurückgedrängt worden.

Was wollte Noah aussagen mit „… er wohne in den Zelten Sems“ V.27

Gemäß hebräischer Auslegung enthält dies zwei Aspekte zugleich: Zum einen, dass Japhet in den Zelten Sems wohne, zum anderen, dass Gott in den Zelten Sems wohne und Japhet eingeladen ist, ebenfalls darin zu wohnen.

Zelte bzw. Hütten sind gemäß der altorientalischen Kultur Orte der Begegnung, der Gemeinschaft und Beziehung, vor allem der mit Gott. „In den Zelten bzw. Hütten“ bedeutet im Dialog mit Gott zu sein. In Beziehung mit Gott steht sowohl das einzelne Individuum, aber auch das Volk als Ganzes. Biblische Beispiele:

  • die Stiftshütte mit der Präsenz Gottes
  • die „Hütte Davids“ nannte man das Heiligtum, umgeben von immerwährendem Lobpreis
  • als Jesus mit seinen Jüngern auf dem Berg der Verklärung Mose und Jesaja begegnen und die Jünger dort Hütten bauen wollten

In 1.Mose 9 findet sich im hebräischen Text eine weitere Besonderheit: in Verbindung mit Sem wird Gott „Jahwe“ genannt. Es weist hin auf die Bundesbeziehung zwischen Gott und den Nachkommen Sems. Auch als Gott sich Jahrhunderte später den Israeliten vor dem Auszug aus Ägypten offenbart, nennt er sich Jahwe. Den semitischen Völkern entstammen die drei großen monotheistischen Religionen. Aus ihrem Glauben und der Beziehung mit Gott entwickelten sie schwerpunktmäßig Ethik und Moral.

In Beziehung mit Japhet wird Gott Elohim genannt. Dieser Name Gottes steht im Kontext mit Natur, Harmonie, Schönheit und Herrschaft. Elohim ist auch der Name Gottes im Schöpfungsbericht. Für Japhetiten manifestiert sich das Erleben Gottes und religiöses Gefühl in der äußerlichen, physischen Wahrnehmung.

Anatoli Uschorminski, ein messianischer Jude sagt: „Japhet bringt Weite und Schönheit ins Zelt Sems. Er stärkt und schmückt es, Ästhetik soll Ethik unterstützen. Deshalb sollte Sem die Zivilisation Japhets wahrnehmen, seine Erfolge akzeptieren und sogar davon profitieren. Sem darf sich nicht davon distanzieren, nach dem Motto: alles was nicht von uns kommt, hat einen heidnischen Ursprung. Japhet seinerseits soll von Sem die ethische Komponente übernehmen. In den Zelten Sems lernt Japhet die Gottesbeziehung, sowie religiöse und moralische Prinzipien. Schönheit, Weite und Raum, die Stärken Japhets, können sich nur dann richtig entwickeln, wenn sie die geistlichen Strukturen der Zelte Sems bekommen. Gemäß dem Segen Noahs sollten diese Brüder also zusammen leben, ihre Unterschiedlichkeit wertschätzen, voneinander lernen und sich gegenseitig bereichern.“

Die Stärke Sems ist die Ethik und die Stärke Japhets ist die Ästhetik.

Gleichwie Ästhetik und politische Macht die Welt nicht retten, sondern knechten, wenn sie Gott ausklammern, begeht die Ethik einen Fehler, wenn sie Ästhetik und Erfolg bagatellisiert. Ultra Fromme brüsten sich gern damit, stets in ihren Zelten zu verweilen und nichts weiter zu bedürfen, als mit Gott zu kommunizieren.

Doch ist es nicht vielmehr die Symbiose aus Ästhetik und Ethik, die dieser Welt besonderen Segen schenken?

Abschließend, folgende Abschnitte finden wir im Zweiten Teil der Bibel, die ein Semit an Hamiten und Japhetiten richtet:

Galater 3,27-29 Denn ihr alle, soweit ihr in Christus ‚hineingetaucht‘ worden seid, seid ja mit Christus bekleidet. Da gibt es keine Juden oder Nichtjuden mehr, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen, denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zu Einem geworden. Wenn ihr aber Christus gehört, seid ihr Abrahams Nachkommen und habt Anspruch auf das zugesagte Erbe.

Epheser 2,11-22 Deshalb denkt daran, dass ihr früher zu den Völkern gehörtet, die von den Juden die „Unbeschnittenen“ genannt werden, obwohl sie selbst nur äußerlich beschnitten sind. Ihr wart damals von Christus getrennt, vom Bürgerrecht Israels ausgeschlossen und standet den Bündnissen Gottes und den damit verbundenen Zusagen als Fremde gegenüber. Ihr hattet keine Hoffnung und lebtet ohne Gott in der Welt.

Doch jetzt seid ihr, die ihr damals Fernstehende wart, durch die Verbindung mit Jesus Christus und durch sein Blut zu Nahestehenden geworden. Denn er selbst ist unser Friede, er, der aus beiden, Fernen und Nahen, eine Einheit gemacht und durch sein körperliches Sterben die Mauer der Feindschaft niedergebrochen hat. Dadurch hat er das Gesetz mit seinen Vorschriften und Geboten beseitigt, um zwischen Juden und Nichtjuden Frieden zu stiften; ja, um die beiden in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu formen und um sie in diesem einen Leib mit Gott zu versöhnen. Das geschah durch seinen Tod am Kreuz, durch den er auch die Feindschaft zwischen ihnen getötet hat.

Auch Folgendes ist an alle „Söhne Noahs“ adressiert:

1.Korinther 12,13-17 Denn wir alle sind durch den einen Geist in einen Leib eingefügt und mit dem einen Geist getränkt worden: Juden und Nichtjuden, Sklaven und freie Bürger. Ein menschlicher Körper besteht ja auch nicht nur aus einem Teil, sondern aus vielen. Wenn nun der Fuß behaupten würde: „Weil ich nicht Hand bin, gehöre ich nicht zum Leib“, hört er damit auf, Teil des Körpers zu sein? Und wenn das Ohr erklären würde: „Weil ich kein Auge bin, gehöre ich nicht zum Leib“, gehört es deshalb nicht dazu? Wenn der ganze Körper aus einem Auge bestünde, wo wäre dann sein Gehör? Und wenn alles Gehör wäre, womit könnte er riechen? Nun hat aber Gott jedes Teil so in den Leib eingefügt, wie es seinem Plan entsprach. … V 25 Alle Glieder sollen einträchtig füreinander sorgen.

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