Was ist eigentlich die Gute Nachricht an der Guten Nachricht?

Christen heute erklären das Evangelium meist, indem sie eine Gute und eine Schlechte Nachricht transportieren. Die Schlechte zuerst: jeder Mensch hat gesündigt, steht damit in der Schuld Gottes und braucht seine Vergebung, sonst geht er verloren und landet nach dem Tod in der Hölle. Und die Gute Nachricht: Jesus ist für die Schuld der Menschheit gestorben, auch für deine. Wenn du ihn als Herrn und Erlöser deines Lebens anerkennst, wird er dir deine Sünden vergeben und nach dem Tod wirst du in den Himmel kommen.

Als Jesus auf die Erde kam predigte auch er das Evangelium. Zu jenem Zeitpunkt aber war er noch gar nicht für die Schuld der Menschehheit gestorben und auferstanden. Was war dann der Inhalt seiner Gute Nachricht?

Er konfrontierte die Menschen zunächst weniger mit Schuld, Verlorenheit und ihrem Weg ins Verderben, sondern seine Botschaft war schwerpunktmäßig die vom Reich Gottes:

Mk. 1,14-15 Und nachdem Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium! 

Lukas 8,1 Und es geschah danach, dass er nacheinander Städte und Dörfer durchzog, indem er predigte und die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigte; und die Zwölf mit ihm.

Er gebot auch seinen Jüngern von Gottes Reich zu predigen:

Lukas 9,2 Und er sandte sie, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken gesund zu machen.

Lk.10,9 und heilt die Kranken darin und sprecht zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.

Warum war ihm die Botschaft vom Reich Gottes so wichtig?

Das Volk Israel hatte seit König David (etwa 1.000 v. Chr.) eine turbulente Entwicklung durchgemacht. Die Könige nach David waren mit jeder Generation gottloser und das Volk irrte in Götzendienst und Abfall von Gottes heilbringenden Geboten. Die Konsequenz war zunächst eine Teilung des Reiches, in das Südreich Juda und das Nordreich Israel. Israel ging ~722 v. Chr. durch die Assyrer unter. Juda indessen kam kurz unter die Vorherrschafft Ägyptens, dann unter die Neubabylonier. Es gipfelte ~587 v. Chr. in der Zerstörung Jerusalems, und mit ihr der Tempel.

Wer dies genauer nachlesen möchte: https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-at/babylonisches-exil/

Die Propheten des Alten Testament prophezeiten sowohl den Fall der Staaten Juda und Israel, sie kündigten aber auch eine neue Ära des Friedens und Heils an, die der Messias bringen werde. Viele aus dem Volk, vor allem die Gelehrten, interpretierten die Prophetien so, dass der Messias das Volk von ihren Unterdrückern (damals die Römer) befreien werde, Israel und Juda wieder vereinen und zu einem Weltreich machen werde, mit paradiesischen Zuständen.

Lukas 17,20- 21 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht mit äußeren Zeichen; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier!, oder: Da! Denn sehet, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Was ist der Schwerpunkt der Guten Nachricht, die Jesus predigte und später auch seine Jünger?

Das Evangelium gemäß Jesu Predigt handelt von einer geistlichen Königsherrschaft Gottes, die mit seinem Wirken begann. Das Reich, in dem Jesus als König regiert und seine Kultur der Gerechtigkeit, des Friedens und der Freude gelebt wird. Aufgrund der Ausdrucksweise „Himmelreich“ des Evangelisten Matthäus hat sich bei vielen die Denkweise eingeschlichen, es sei die Rede vom Jenseits, der Dimension, die wir erst mit dem körperlichen Tod betreten könnten. Jesus hingegen nennt als den Zugang zum Reich Gottes die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist, nicht erst den körperlichen Tod:

Joh. 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen.

Joh. 10,9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er gerettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Vgl. Joh. 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Also ist nicht der Tod die Tür zum Reich Gottes, die Tür ist Jesus. Wer aus Wasser und Geist geboren ist, hat Zugang zum Reich Gottes, und der wird auch fähig, die Königsherrschaft Gottes wahrzunehmen, und darin „zu sehen“.

Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Kraft haben kommen sehen.“ Mk. 9,1

Demzufolge war das Reich Gottes zum Zeitpunkt Jesu Rede schon zum Greifen nahe, wenn auch noch nicht in voll in Kraft. Was hatte noch eintreten müssen? Wir lesen weiter in den Evangelien von Jesu Verurteilung, seinem Tod und seiner Auferstehung. Es wird berichtet, wie er noch vielen begegnete, insgesamt über 500 Zeugen. Dann lesen wir in

Markus 16,19 Der Herr wurde nun, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.

Dies war der Moment. Seither ist Jesus Christus im Reich Gottes endgültig zum Herrscher auf Ewigkeiten erhöht. Er hat den Thron bestiegen und ihm ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.

Mit seiner Wirkungszeit auf der Erde hatte er begonnen, das Verlorene wiederherzustellen, nach dem Vorbild des Himmels (vgl. „Reich Gottes, komme! Der Wille Gottes geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“). Er lehrte seine Jünger darin und beauftragte sie, damit fortzufahren und verhieß ihnen noch größere Taten. Seither wartet er darauf, dass seine Söhne sein Reich für ihn weiter bis zum letzten Winkel der Welt erobern:

Hebr. 10,12-13 Dieser aber hat ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht und sich für immer gesetzt zur Rechten Gottes. Fortan wartet er, bis seine Feinde hingelegt sind als Schemel seiner Füße.

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