Gottes Bundesreise mit der Menschheit

Gott liebt jeden Menschen. Doch nicht jeder Mensch steht in einem Bund mit Gott. Nur wer in Bundesbeziehung lebt, hat ein Recht auf Bundestreue, und bei Gott auch die absolute Gewissheit, dass er dem geltenden Bund treu und gerecht handeln wird. Nun ist ein Bund nicht vergleichbar mit einem Vertrag.

Ein Vertrag ist eine rechtlich bindende Vereinbarung zwischen zweien oder mehreren Parteien. Er ergibt sich aus dem Angebot der einen und dem Einverständnis der anderen Partei. Im Normalfall beinhaltet er die Verpflichtungserklärung der einen Partei, im Gegenzug zu einer Verpflichtungserklärung der Gegenpartei. Vertragsformen sind z.B. Liefervereinbarungen, Verträge über die Erbringung von Dienstleistungen oder Arbeitsverträge. Gegenstand von Verträgen sind in aller Regel Leistungen und Kosten, und Verträge können gemäß den Vertragskonditionen auch gekündigt werden. Vertragspartner bleiben auf einer Sachebene.

Ein Bund hingegen wird auf Lebenszeit geschlossen. Die Bundespartner vereinbaren  gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Sie öffnen einander ihre Herzen, sie lernen die Tiefen des anderen kennen und beziehen den Bundespartner in ihre Entscheidungsfindung mit ein. Sie tun nichts, von dem sie wissen, dass es dem Bundespartner zuwider wäre, sondern sie machen die Interessen des Bundespartners auch zu íhren eigenen. Nicht nur das, sie passen sich selbst an dessen Werte und Ziele an. Die Essenz eines Bundes ist Leben und dies in geistlichem Wohlstand, Wohlergehen und Frieden.

Bünde waren im Altorient gängige Praxis. Die Bibel berichtet über 3 Bundesformen zwischen Gott und Menschen.

  • Ein Bund der Gnade wurde geschlossen zwischen zwei Parteien unterschiedlichen Rangs. Der Höhere erstellte den Bund und sicherte damit dem Geringeren Segen, Schutz und Wohltaten. Der Geringere musste keine Leistungen erbracht haben, um in den Genuss des Bundes zu kommen, er genoss die Vorteile aufgrund seiner Gunst beim Höheren. So ähnlich wie bei einem heilen Verhältnis zwischen Eltern und ihren Kindern. Beispiele für den Gnadenbund sind Gottes Bünde mit Noah, Abraham und David.
  • Ein Bund der Gefährten wurde geschlossen zwischen 2 ebenbürtigen Parteien. Man einigte sich auf einige wenige Grundsätze. Diesen Typ Bund wollte Gott ursprünglich mit den Israeliten eingehen, als er sie aus Ägypten geführt hatte. Damit wäre jeder aus dem Volk ihm auf Augenhöhe begegnet. Diese Form des Bundes kennen wir bis heute als Bund der Ehe. 
  • Ein Vasallen-Bund wurde geschlossen zwischen zwei Parteien mit deutlichem Machtgefälle. Zwischen jemand Hohem, Mächtigen, meist einem König und jemand von geringem, niedrigem Rang, dem Vasallen. Die Vasallen unterwarfen sich dem König auf Lebenszeit, waren verpflichtet Abgaben und Kriegsdienste zu leisten und der König gewährte ihnen im Gegenzug Schutz. Wenn Vasallen ihre Dienste voll abgeleistet hatten, dann bekamen sie das Recht, ein Landgut zu nutzen. Diese Bündnisform war im Altorient recht gängig und wir kennen sie auch aus dem europäischen Mittelalter. Diesen Typ Bund sind die Israeliten am Sinai mit Gott eingegangen.

Im Wesentlichen berichtet die Bibel davon, wie Gott die Menschheit mitsamt der Schöpfung wiederherstellt, und dies indem er sukzessive Bünde mit Menschen einging. Die Heilige Schrift legt ihren Schwerpunkt weniger auf die chronologische Reihenfolge der Ereignisse, sondern erläutert primär den historischen und geistlichen Kontext, unter dem die Bünde von Gott mit Menschen jeweils eingesetzt wurden.

Diesen historischen und geistlichen Kontext der Bünde Gottes mit der Menschheit und deren Leitlinien nennt man auch Kanon. Ein Kanon enthält die relevanten Informationen und Fakten zu den jeweiligen Bünden.

Bund im Hebräischen heißt Beret und bedeutet Schnitt oder Riss, weil beim Einsetzen eines Bundes Blut fließt. Bei einer Bundeszeremonie wurde ein Tier geschlachtet und in der Mitte zerteilt. Beide Bündnispartner gingen zwischen diesen geschlachteten Hälften hindurch und schworen: „Dies soll mir zustoßen, wenn ich diesen Bund breche“ (s. 1.Mose 15). Den Bund zu brechen bedeutet also den eigenen Tod.

Seit dem Sündenfall hatte Gott der gesamten Schöpfung Erlösung von ihrer Verlorenheit versprochen. Den Weg zur Erlösung vollzog er sukzessive durch Einsetzung dieser Bünde.

1.) Der Bund mit Noah: Der Kanon ist die Schöpfungsgeschichte, der Sündenfall und dessen  Nachwirkungen. Im Bund mit Noah segnete Gott die ganze Familie und die Schöpfung, und er wiederholte seinen Auftrag an die Menschen, fruchtbar zu sein, sich zu reproduzieren, die Erde zu füllen und die Schöpfung zu führen. Er versprach, nie wieder die Menschheit zu vernichten, noch die Erde s. 1.Mose Kap. 8-9 Dieser Gnadenbund hat nie seine Gültigkeit verloren.

2.) Der Bund mit Abraham s. 1. Mose 15: Gott versprach Abraham eine exorbitante Nachkommenschaft und ihm, dem Fremdling, eine ewige Heimat. Der Bund erfüllte sich zuerst am Volk Israel, dann mit der Ära Jesu an allen geistlichen Nachkommen Abrahams, also allen Gläubigen aus jeder Nation. Denen schenkt Gott eine ewige Heimat in seinem Reich. Auch dieser Bund besteht weiterhin fort.

3.) Der mosaische Bund am Sinai: ließ sich nicht einsetzen, wie von Gott geplant. Das Volk, geprägt von 400 Jahren Versklavung im heidnischen und  Ägypten, bekam von Gott anfangs 10 simple Regeln, die das Miteinander von Mensch zu Gott und von Mensch zu Mensch definieren und schützen sollten. Doch die Ältesten des Volkes, traumatisiert von der grausamen Willkür der Herrscher denen sie gerade erst entkommen waren, trauten der Güte Gottes nicht, und erbaten einen Vermittler, Mose, und klare Gesetze und Vorgaben. Diese wurden Gegenstand des Bundes, welcher mit dem Tod Jesu seine Gültigkeit verlor. Daher auch Alter Bund genannt.

Der Vasallenbund im Altorient wurde schriftlich festgehalten auf zwei identischen Exemplaren, eines für jede Partei. Die Abbildungen in Kinderbibeln, die zwei Steintafeln mit römischen Zahlen I – V auf der einen Tafel zeigen und römisch VI – X auf der zweiten, entsprechen nicht wirklich den historischen Gegebenheiten, zumal römische Zahlen im Altorient unbekannt waren, aber dies nur am Rande. Tafeln des Bundes oder auch Gesetzestafeln genannt, und enthielten inhaltlich:

  • Präambel
  • Vorgeschichte
  • Grundsatzerklärung
  • Einzelbestimmungen
  • Anrufung der Götter als Zeugen
  • Fluch und Segen

Jede Partei hatte eine Bundeslade, in der sie ihr Exemplar der Bundesvereinbarungen aufbewahrte. Dies war also keine Erfindung der Israeliten, sondern im Altorient so üblich. Jeder Bundespartner schwor Gerechtigkeit = Bundestreue bei einer höheren Instanz seines Vertrauens, nämlich seinem eigenen Gott. Sollte ein Partner bundesbrüchig werden, würde sein eigener Gott ihn dafür strafen. Beim Bund zwischen Gott und Israel war es nicht anders. Da Gott keine höhere Instanz hat, als sich selbst, gab es für ihn keinen Höheren, bei dem er die Bundestreue hätte schwören können.

Die Israeliten schworen die Bundestreue bei ihrem Gott Jahwe. Damit nun machten sie ihn nicht nur zum schützenden Bundespartner, sondern im Fall ihrer Untreue wurde er damit zugleich ihr Verfolger. Der Vasallenbund brachte Gott folglich in eine zwiespältige Position, die seinem wahren Wesen der Güte und Gnade widersprach.

4.) Der Bund mit David: war ein Bund der Gnade, in dem Gott Davis zusagte, dass einer seiner Nachkommen das Reich festigen, sich auf den Thron setzen und auf ewig herrschen werde s. 2.Samuel 7. Diese Zusage erfüllt Jesus, als Messias.

5.) Der Neue Bund: Jesus Christus selbst ist die Erfüllung des Bundes mit Abraham und David, sowie die Auslösung vom Bund am Sinai. In Christus und seinem Reich ist unsere Heimat, in seinem himmlischen Königreich leben wir frei von jeder Fremdherrschaft, in innerer Friedlichkeit, mit allen Segnungen Gottes durch seine Gnade. Der Kanon dazu ist das Neue Testament.

Der Neue Bund ist sowohl ein Bund der Gnade als auch ein Bund der Gefährten.

  • Bund der Gefährten, weil er geschlossen wurde zwischen Gott dem Vater und Gott dem Sohn, und weil er auf nur einem Gebot basiert, nämlich dem der Liebe. Liebe zu Gott und Liebe zu den Mitmenschen, und zwar so wie Christus geliebt hat.
  • Bund der Gnade, weil alle mit hineingenommen sind, die sich auf Jesus Christus den Auferstandenen berufen, ohne zuver erbrachte Leistungen. Jeder im Bund darf die Vorteile der Wohltaten, des Segens und Schutzes genießen, die der Höhere Partner, nämlich Gott, dem Geringeren zuteilwerden lässt.

Die Zusammenhänge der Bibel erschließen sich einem viel klarer, wenn man beim Lesen der Handlung über die jeweils geltende Bundesära im Bilde ist und dies bei der Auslegung auch berücksichtigt.

Beispiel: als Abraham vorgab, Sarah sei seine Schwester, obwohl er mit ihr verheiratet war, wurde er für die Falschaussage nicht von Gott bestraft. Der Pharao hingegen schon, weil er die Ehefrau eines anderen in seinem Harem hielt. Warum strafte Gott Pharao, Abraham aber nicht?

Beides war fraglos Sünde, doch der Bund Gottes mit Abraham enthielt keine Klausel die sich auf Lügen bezog. Das Gebot „du sollst nicht falsch aussagen“ als Satzung eines Bundes kam erst etwa 500 Jahre später, mit den 10 Geboten.

Gott als Bundespartner Abrahams hatte sich in seinem Gnadenbund verpflichtet, Abraham und seine Familie bedingungslos zu schützen und zu verteidigen. Und so kam Sarah frei.

Gerechtigkeit gemäß der Bibel meint zunächst weniger ein hohes moralisches Niveau, noch soziale Fairness, noch materiellen Ausgleich für schwächer Gestellte. Gerechtigkeit bedeutet, dass ausschließlich auf Basis der Bundesvereinbarungen, also gemäß geltendem Recht, entschieden wird. Mit allen Konsequenzen und ohne Rücksicht auf anderweitige Verluste oder Gewinne.

Treue gemäß der Bibel heißt, im gemeinsam geschlossenen Bund zu leben, gemäß den Vereinbarungen zu agieren und sein Leben darauf auszurichten.

Gott ist in seinem Wesen absolut gerecht, und er hält sich treu an den geltenden Bund. Wer „in Christus ist“, wird gemäß dem Neuen Bund vor Gott gerecht gesprochen.

2 Antworten auf “Gottes Bundesreise mit der Menschheit”

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