Der Alte Bund, der Neue Bund und das Ende

Was hat es auf sich mit dem Alten Bund? Gilt das Gesetz, das durch Mose gegeben wurde weiterhin? Was ist der Neue Bund und was ist die Endzeit?

Gott liebt Menschen. Und damit sie wissen, dass sie sich absolut auf seine Gunst verlassen können, ist Gott Bünde mit Menschen eingegangen.

Gottes Plan mit dem Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten war ein Bund der Gefährten. In dieser Bundesform wäre jeder aus dem Volk in direkter Beziehung mit Gott gewesen und jeder von ihnen hätte direkt mit Gott kommunizieren können, so wie wir es heute im Neuen Bund leben.

Doch die Zeit in Ägypten hatte tiefe Spuren in den Israeliten hinterlassen. Der einzige Gott, den sie seit 400 Jahren erlebt hatten war Pharao. Und der war unberechenbar. Allein beim Auszug der Israeliten aus Ägypten hat der Pharao 9x sein Wort gebrochen und seine versprochene Zusage wieder zurückgenommen. Seine Grausamkeit und Willkür hatte das Gottesbild der Israeliten geprägt und nun misstrauten sie auch Jahwe. Daher sprachen die Ältesten Israels zu Mose, Gott möge ihnen fernbleiben, denn dieses eine Mal hätte er sie zwar verschont, aber vielleicht würde er beim nächsten Treffen seine Meinung ändern und sie töten!

Sie bekamen daraufhin von Gott Regeln und Riten, wie es ihnen bereits aus Ägypten vertraut war. Mittels Ausübung dieser neuen Riten und Regeln sollten die verunsicherten, traumatisierten Israeliten lernen, was gesund ist, fair, lobenswert, wahrhaftig und ehrenhaft. Kurz gesagt, ein Leitfaden, wie heile Menschen des Altorients im Alltag agieren.

Es wird manchmal behauptet, Gott hätte die Gebote gegeben, damit die Israeliten einsehen, dass sie auf einen Erlöser angewiesen wären, weil alle am Gesetz scheiterten und keiner es schaffte, gerecht zu leben. Nun, dies ist ein Missverständnis von Gottes Wesen, und außerdem widerspricht es der Schrift.

Beispiele: über König Hiskia wird geschrieben in 2. Könige 18,6 Er hing dem HERRN an und wich nicht von ihm ab und hielt seine Gebote, die der HERR dem Mose geboten hatte. Von Zacharias und Elisabeth heißt es in Lukas 1,6 Sie waren aber alle beide gerecht und fromm vor Gott und lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn untadelig. Auch der junge Reiche behauptete, alle Gebote von Jugend an gehalten zu haben und Jesus hat ihm nicht wiedersprochen.

Gott legt keine Last auf, von der er weiß, dass kein Mensch sie tragen kann. Jeder Israelit hatte sehr wohl die Freiheit, Wohlergehen und ein langes Leben zu erwirken. Zu tun, was Gott zu ihrem Schutz verboten hatte, würde in Elend, Verderben und Zerstörung enden.

Das Volk hatte sich für einen Vasallen-Bund ausgesprochen. Damit aber wurde Gott nicht nur ihr Verbündeter, der ihnen Segen und Schutz bot und in Kriegen auf ihrer Seite kämpfte. Als ihr Gott war er zugleich ihr Richter und folglich in der Position sie bestrafen zu müssen, wenn sie die Satzungen des Bundes übertraten. Wurden die Israeliten dem Bund untreu, musste er als ihre höchste Autorität ihre Verfehlungen ahnden, ob ihm das gefiel oder nicht. Und entsprechend seinem Wesen hielt er sich bundestreu an die vereinbarten Satzungen.

Die Strafe vollzog sich in der Regel durch Dürre, Krankheiten und Verlust in Kriegen, eben gemäß den Satzungen des Gesetzes.

Wenn du dich fragst, warum Gott im Alten Testament oft so zornig ist, hier ist die Antwort:

Links Gottes Idee: der Bund der Gefährten, rechts Idee der Menschen: der Vasallen-Bund.

Sicher, wir lesen, dass Gott auch davor schon entsetzt war von der Bosheit der Menschen, auch dass es ihn gereut hatte die Menschheit erschaffen zu haben. Doch der Ausdruck „Zorn Gottes“ kommt nur in einer einzigen Ära vor, nämlich auschließlich während der Ära des Alten Bundes.

Die Israeliten hatten um detaillierte Regeln gebeten, (s. 5.Mose 5), doch von Anfang an hielten sie sich nicht daran (s. 2.Mose 32) und übertraten die Gebote immer wieder gravierend und das im Kollektiv. Dies machte Gott rasend vor Zorn, denn damit zwangen sie ihn, als bedingungslos liebenden Gott, ihre Missetaten abzustrafen.

Die Bibel berichtet ausführlich darüber. Zusammengefasst: dieser Vasallen-Bund wurde zum Desaster für Gott und zu einem Desaster für das Volk Israel.

Im Gegensatz zu den Bünden mit Noah, Abraham und David spiegelte der Bund vom Sinai nicht das Wesen Gottes wider. Doch Gott respektiert den Wunsch des Menschen, und hielt sich deshalb treu an die Vereinbarungen und setzte den Vasallen-Bund sogar über seine gnadenvolle und barmherzige Wesensart. Doch sah er auch die Verlorenheit der Menschen in dem Bund, der zu einem religiösen System verkommen war und beschloss, dass dieses Desaster aufhören musste. Der Vasallen-Bund musste ein Ende finden!

Nun lässt sich ein Bund nicht auflösen, es sei denn dass ein Bundespartner stirbt. Jesus meldete sich dafür freiwillig, der Rest ist eigentlich Geschichte. Die Tragweite dessen auf Bundesebene ist einem Christen von heute, jenseits der altorientalischen Kultur, jedoch nicht immer klar.

Mit Jesu Tod endete das Prinzip des Alten Bundes vom Sinai. Nicht weil die Satzungen falsch gewesen wären, sondern weil der Bund vom Sinai von der Mehrheit lediglich auf Verhaltensebene praktiziert wurde, statt wie bei einem Bund, auf Beziehungsebene. Die Satzungen brachten Segen oder Fluch, gemäß dem Tun. Und so lange die Seelen krank waren, begingen sie fluchbringende Handlungen und erwirkten Strafe.

Jesus erstellte mit seinem Vater den Neuen Bund. Und den kann kein Mensch mehr brechen. Wie das? Weil der Neue Bund nicht zwischen Gott und Menschen geschlossen wurde, sondern zwischen Vater und Sohn. Wer an Jesus Christus den Auferstandenen glaubt, ist mit hinein genommen in den Neuen Bund. Kein Priester oder Pastor vermittelt, sondern in Christus hat jeder Mensch direkten Zugang zu Gott. Die Söhne Gottes stehen aufgrund ihrer Sohnschaft unter seinem Segen und Schutz, und nicht aufgrund ledigliches Tun bestimmter Handlungen.

Die Basis des Neuen Bundes bildet nicht mehr die Einhaltung der Satzungen welche Mose für die Israeliten bekam und die später unter Josua noch erweitert wurde auf über 1.000 Gesetze. Jesus fasst die Grundregel des Neuen Bundes in einem einzigen Satz zusammen:

Johannes 13,34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt.

Das Neue Gebot lautet also von da an nicht mehr, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, denn damit wäre der Nächste davon abhängig, wie ich Liebe verstehe und ob überhaupt ich mich selbst liebe. Die Gebote des Neuen Bundes lauten: Liebe den Herrn deinen Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt, und neu: liebe deinen Nächsten, so wie Christus seine Jünger liebte.

Das Gebot des Neuen Bundes fußt auf eine generelle Herzenshaltung, Lebenseinstellung und innere Motivation, die Gott zugewandt ist und folglich auch seinen Geschöpfen.

Nun hatte Jesus im Jahre 30 unserer Zeitrechnung den Neuen Bund eingesetzt und den Alten Bund mit seinen Konditionen über Segen und Fluch sowie die festgesetzten Strafen im Falle der Übertretung der Gebote abgelöst. Aber die Relikte des Alten Bundes bestanden weiterhin, der Tempel mit der Priesterschaft, die Gesetze, die Opfer, die Riten gingen weiter im gewohnten Gang.

Gott gab den Juden nach Einsetzung des Neuen Bundes noch 40 Jahre Zeit sich ihrerseits vom Alten Bund zu lösen und mit Christus in den Neuen Bund zu treten. Diese Periode war die Endzeit des Bundes vom Sinai. Besonders der Hebräerbrief erläutert dies sehr klar.

Die Briefe des Neuen Testaments geben Zeugnis von dieser Phase, als der Neue Bund schon erstellt war, aber der Alte Bund weiterhin praktiziert wurde, und wie die Gläubigen damals in der Spannung dieser konträren Bünde lebten.

Schließlich wurde mit der infernalischen Tempelzerstörung im Jahr 70 jedes Relikt des Alten Bundes endgültig ausgelöscht.

Seitdem ist es für immer unmöglich geworden, dem Alten Bund gerecht zu werden, denn es gibt keine Priester und keine Opfer mehr. Es gibt unter den Juden Rabbiner, also Gelehrte der Schrift, aber der Zugang zu Gott mittels Priester und in einem physischen Tempel aus Stein ist weg. Das Alte Bundessystem kann auch nicht wieder errichtet werden, denn die gesetzlich vorgeschriebenen genealogischen Urkunden der Priester, welche die Zugehörigkeit zum Stamm Levi belegten, sind seit fast 2.000 Jahren vernichtet, der Tempelberg ist entweiht, somit kann auch kein neuer Tempel mehr gebaut werden. Die Bundeslade als Herzstück des Alten Bundes ist ebenfalls restlos ausgelöscht. Es mögen Gerüchte darüber kursieren, doch die Heilige Schrift zeigt klar, dass diese physischen Objekte geistlich betrachtet keine Relevanz mehr haben.

Es gibt bereits einen neuen Tempel. Das ist der Leib Christi, also die Gemeinde bestehend aus jedem Kind Gottes, worin Gott mit seinem Heiligen Geist wohnt

1.Kor. 3,16-17 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.

2.Kor. 6,16b Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: „Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“

Eph. 2,20-21   Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.

Hebr. 3,6 Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.

4 Antworten auf “Der Alte Bund, der Neue Bund und das Ende”

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